Grundfragen der Existenz

Logotherapie & Existenzanalyse

1

Kann ich (in dieser Situation) sein?

Als Mensch bin ich in der Welt, d.h. ich finde mich immer in irgendeiner Situation vor (gerade jetzt die Situation, diese Zeilen am Bildschirm zu lesen). Jede Lebenssituation hat ihre konkreten Bedingungen, aber komme ich mit ihnen auch zurecht? Kann ich umgehen mit dem, was ist? Habe ich die Fähigkeiten, die es dazu braucht? Habe ich die (physische, psychische) Kraft? Kann ich es zumindest so aushalten, was auch schon eine Leistung ist? Kann ich also in der Lebenssituation sein? Oder erlebe ich Überforderung, vielleicht auch Angst, weil ich den Gegebenheiten (noch) nicht gewachsen bin? … Und was bräuchte es, um in ein „Umgehen-Können“ zu kommen? Ich bin – aber kann ich auch sein?

2

Mag ich (in dieser Situation) sein?

Sein-Können (Zurechtkommen) ist grundlegend… aber nicht alles. Wir Menschen sind lebendige, fühlende Wesen – wir erleben und empfinden unser Dasein. Und wie fühlt es sich an – hier und jetzt, in der gegenwärtigen Situation: Gut oder weniger gut? Mag ich mein Leben unter den gegebenen Bedingungen? Erlebe ich dort Wertvolles? Oder empfinde ich Last und Schwere, Energie- und Freudlosigkeit: Ich komme wohl zurecht, aber so wie sich das Leben gerade zeigt, schmeckt es nicht. … Und wie könnte es wieder lebendig werden? Ich lebe – aber mag ich (so) leben?

3

Darf ich (in dieser Situation) sein

Ich bin als lebendiges, fühlendes Wesen in der Welt – und obendrein als Person: Ich bin ein ICH. Werde ich beachtet und geachtet – von anderen und von mir selbst? Kann ich meine Entscheidungen und Handlungen vertreten – vor anderen und vor mir selbst? Kann ich in meinen unterschiedlichen Lebensbereichen und Lebenslagen sein, wie es mir entspricht? Kann ich das Meinige leben und werde ich mir gerecht? Darf ich ICH sein? Oder darf ich nur so sein, wie andere es von mir erwarten? Muss ich mich verstellen? Ist mir etwas peinlich oder schäme ich mich gar? … Und wie könnte ich wieder zu mir finden und zu mir stehen? Ich bin ich – aber darf ich so sein, wie ich bin?

4

(Wofür) Soll ich (in dieser Situation) sein?

Ich bin ein ICH, aber ich bin nicht allein auf der Welt. Ich existiere im Zusammenhang mit anderen Menschen – in einem Miteinander. Deshalb kommt es nicht nur darauf an, dass ich mir selbst gerecht werde, sondern auch dem Kontext: Wie könnte ich darin wirksam werden? Wofür kann, will und soll ich da sein? Kann ich in diese Lebenssituation Wertvolles einbringen, das mir am Herzen liegt? Und was könnte Gutes daraus werden, in diesem Kontext, zu diesem Zeitpunkt? Macht es Sinn? Dort wo wir Wert- und Sinnvolles erleben, fühlt es sich richtig und stimmig an, selbst dann, wenn es nicht leicht ist: Ich weiß, wofür ich etwas auf mich nehme. Oder frage ich mich „Wofür soll das nur gut sein?“ – verspüre Perspektivlosigkeit, Leere, Resignation. … Und will ich nach Sinn suchen, auch wenn er sich mir momentan nicht zeigt? Ich bin da – aber wofür soll ich da sein?

Kann ich sein? Mag ich sein? Darf ich sein? Wofür soll ich da sein? Existenz geschieht nicht einfach von selbst, sondern ist stete Auseinandersetzung mit diesen 4 grundlegenden Fragen. Da Leben Veränderung, Bewegung und Wandel bedeutet, fragt es situativ nach immer wieder neuem Einlassen, Ausloten und Antworten.

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